Entgasungstheorie

Entgasungstheorie

ENTGASUNGSTHEORIE

Prinzip der physikalischen Entgasung

Das Gleichgewicht zwischen dem im Wasser gelösten Gas und Gas im Dampf wird im Raoultschen Gesetz beschrieben. Dieses Gesetz besagt, dass das Verhältnis zwischen dem Partialdruck des Gases im Dampf und dem Produkt aus dem Aktivitätskoeffizienten und dem Gas im Wasser bei einer vorgegebenen Temperatur konstant ist, wenn das Gas im Dampf die Bedingung erfüllt: P.V/T = konstant, dann:

Pg = h · a · Cg         (1)

Wobei:
Pg = der Partialdruck des Gases im Dampf
h = Distributionskoeffizient
a = der Aktivitätskoeffizient
Cg = die Konzentration des Gases im Wasser

Bei niedrigem Partialdruck, verhalten sich Sauerstoff und Kohlendioxid im Dampf gemäß der Formel P.V/T = konstant.

Der Aktivitätskoeffizient ist ein Maß für die Abweichung vom Idealverhalten des im Wasser gelösten Gases oder, mit anderen Worten, ein Maß für die Interaktion zwischen dem gelösten Gas und dem Wasser. Für Sauerstoff beträgt der Aktivitätskoeffizient 1,0, wenn die Konzentration weniger als 50 ppm beträgt. Der Aktivitätskoeffizient von Kohlendioxid hängt von der gelösten Menge Kohlendioxid und der chemischen Zusammensetzung des Wassers ab.

Die Verhältniskonstante h wird von der Art des Gases und der Temperatur bestimmt. Tabelle 1 zeigt die Werte für h für Sauerstoff und Kohlendioxid.

T (˚C)  02  C02
0 14.3 x 10-3 0.298 x 10-3
10 18.4 x 10-3 0.427 x 10-3
20 22.6 x 10-3 0.581 x 10-3
30 26.8 x 10-3 0.767 x 10-3
40 30.2 x 10-3 0.963 x 10-3
50 33.4 x 10-3 1.170 x 10-3
60 35.8 x 10-3  1.420 x 10-3
70 38.2 x 10-3  
80 39.7 x 10-3  
90 40.6 x 10-3  
100 40.7 x 10-3  

Tabelle 1. Distributionskoeffizient h für Sauerstoff und Kohlendioxid für Wasser bei verschiedenen Temperaturen in bara/ppm.

Das Prinzip, auf dem der Prozess der physikalischen Entgasung beruht, ist die Neigung zur Wiederherstellung des Gleichgewichts, wie in dem oben genannten Gesetz definiert, nachdem dieses Gleichgewicht vorher gestört war. Die Gleichgewichtsstörungen, die eine Entgasung des Wassers verursachen, sind die Verringerung des Gaspartialdrucks im Dampf und die Erhöhung der Wassertemperatur. Bei Wassertemperaturen unter dem Siedepunkt wird die Verringerung des Gaspartialdrucks durch Entziehen von Gas aus dem Dampf bewirkt. Durch Erhöhen der Temperatur nimmt die Löslichkeit des Gases im Dampf bei einem konstanten Partialdruck ab. Wenn die Wassertemperatur bei dem vorherrschenden Druck im Entgaser auf den Siedepunkt erhöht wird, ist der Gesamtdruck gleich dem Wasser/Dampf-Druck, was darauf schließen lässt, dass der Partialdruck des Gases Null ist. Die Wassertemperatur steigt als Folge der Kondensation des Dampfs.

Die Verringerung des Gaspartialdrucks bzw. die Erhöhung der Temperatur sind nicht die einzigen wichtigen Faktoren im Entgasungsprozess, denn auch die Transportgeschwindigkeit des Gases spielt eine Rolle. Diese Geschwindigkeit wird bestimmt durch:

  1. die Diffusion des Gases im Wasser
  2. die Strömung des Wassers beziehungsweise des Dampfes
  3. das Verhältnis zwischen der Größe der Berührungsfläche von Wasser und Dampf und der Wassermenge.

Diffusion des Gases im Wasser

Wenn Wasser entgast wird, ist die Konzentration der Gasmoleküle im Wasser an der Berührungsfläche geringer als anderswo im Wasser. Im Dampf ist dies genau umgekehrt. Aufgrund der unterschiedlichen Konzentration und der thermischen Bewegung der Gasmoleküle erfolgt der Transport von Gasmolekülen hin zur Berührungsfläche im Wasser und weg von der Berührungsfläche im Dampf. An der Berührungsfläche gilt ohne Ausnahme das Raoultsche Gesetz. Es wird deutlich sein, dass die Entgasungsrate durch die Phase bestimmt wird, in der der Transport der Gasmoleküle am langsamsten ist. Da das Verhältnis zwischen dem Diffusionskoeffizienten (ein Maß für die thermische Bewegung) des Gases im Wasser und dem des Gases im Dampf etwa 10-4 beträgt, wird die Entgasungsrate vollständig vom Transport der Gasmoleküle im Wasser bestimmt.

Abb. 2 Schematische Darstellung der Gaskonzentration in der Dampf/Wasser-Berührungsfläche mit Konvektion und Diffusion.

Strömung von Wasser und Dampf

Die Strömung von Wasser und Dampf erhöht die Entgasungsrate. In der Grenzflächenschicht an beiden Seiten der Wasser/Dampf-Berührungsfläche kann keine Strömung senkrecht zur Berührungsfläche auftreten. Dort ist Gastransport nur über Diffusion möglich. Weiter von der Berührungsfläche entfernt ist die Strömung gleich der Gaskonzentration, siehe Abbildung 2. Somit wird der Gastransport in den beiden Medien durch eine schmale Diffusionszone entlang der Berührungsfläche gesteuert. Aufgrund des großen Unterschieds zwischen dem Diffusionskoeffizienten des Gases im Wasser und des Gases im Dampf wird die Entgasungsrate durch die Diffusionszone an der Wasserseite der Berührungsfläche bestimmt. Der Gastransport in dieser Diffusionszone ist bei dem geringstmöglichen Partialdruck im Dampf maximal. Diese Kondition ist gegeben, wenn das Gas durch Strömung im Dampf schnell aus Entgaser austritt.

Vorentgasung

Verhältnis zwischen der Wasser/Dampf-Berührungsfläche und der Wassermenge.

Um eine effiziente Entgasung sicherzustellen, muss die Transportstrecke, welche die Gasmoleküle mittels Diffusion zurücklegen müssen, so kurz wie möglich sein. Dies kann dadurch erreicht werden, dass das Wasser sehr kleine Tröpfchen bildet, bevor der Dampf durch das Wasser geleitet wird.

A. Entgasung der Tröpfchen

Im Stork Entgaser erfolgt die Aufteilung des Wassers in Tröpfchen mittels einer Düse, welche anhand der zu zerstäubenden Wassermenge geregelt wird. Die Tröpfchengröße bleibt auch bei unterschiedlichem Durchsatz konstant. Die Tröpfchen werden mit hoher Geschwindigkeit durch das Dampfabteil der Düse geleitet und prallen dann gegen die Wand dieses Abteils, wodurch die Tröpfchen in noch kleinere Tröpfchen zerbersten. Die Verweilzeit des Wassers in dem Abteil beträgt einige Zehntelsekunden. Die ständige Erneuerung des Dampfs im Dampfabteil sorgt dafür, dass der Partialdruck des Gases sehr niedrig bleibt.

Wenn die Wassertröpfchen durch den heißeren Dampf wandern, entsteht an der Oberfläche des Tröpfchens Kondensation, wodurch das Wasser erwärmt wird. Dieser Erwärmungsprozess geht aufgrund des günstigen Verhältnisses zwischen der Berührungsfläche und der Wassermenge sehr schnell vor sich. Die Wassertemperatur kann den Siedepunkt nicht erreichen, denn die Oberflächenspannung übt einen zusätzlichen Druck aus.

Die Tröpfchenoberfläche fungiert als feste elastische Membran, wodurch der Druck an der konkaven Seite höher ist als der Druck an der konvexen Seite. Dieser zusätzliche Druck beträgt 4 x O/D, wobei O die Oberflächenspannung des Wassers ist und D der Durchmesser des Tröpfchens. Nachdem die Tröpfchen in das Dampfabteil der Düse gelangt sind, ist der Partialdruck des Gases im Dampf in Bezug auf den Gasanteil des Wassers sehr niedrig. Dieser niedrige Partialdruck und die durch den Temperaturanstieg verursachte verringerte Löslichkeit zwingen das Gas, aus dem Wasser auszutreten.

B. Bläschenbildung in Tröpfchen

Manche Autoren argumentieren, das Gas träte aus dem Wasser aus, weil sich Gasbläschen in den Tröpfchen bildeten, doch dass dies so sein könnte, ist sehr zu bezweifeln. Damit ein Gasbläschen in einem Wassertropfen bestehen bleibt, muss die Summe aus dem mit den gelösten Gasen einhergehenden Partialdruck und dem Wasserdampfdruck mindestens gleich dem Druck im Tröpfchen zuzüglich des durch die Grenzfläche zwischen Wasser und Gasbläschen verursachten Drucks sein. Somit wird dies als Ungleichung ausgedrückt.

Pgase + PH2O ≥ Pdampf + 4 · O/D + 4 · O/d …..(2)

Pgase =   die Summer des Partialdrucks der gelösten Gase
PH2O =   der Wasserdampfdruck; wenn die Wassertemperatur gleich der Dampftemperatur ist: PH2O = Pdampf.
d =          der Durchmesser des Gasbläschens

Da die Bildung eines Gasbläschens nur über Kern-Bläschenbildung und die Ausdehnung solcher Kern-Bläschen (sehr, sehr kleine Gasbläschen) möglich ist, folgt aus der Ungleichung (2) und der Gleichung (1), dass eine große Menge Gas in einem Wassertröpfchen gelöst sein muss, damit sich ein Gasbläschen bildet, denn bei Kern-Bläschen-Bildung ist d in Ungleichung (2) sehr klein und somit ist 4 x O/d sehr groß.

Die Schwierigkeit bei der Bildung von Gasbläschen in Tröpfchen lässt sich sehr deutlich anhand einer Flasche Mineralwasser demonstrieren. Beim Öffnen der Flasche bilden sich Gasbläschen nur an der Wand. Wenn das Auftreten von Gasbläschenbildung auch an anderer Stelle in der Flasche beobachtet wird, kann man davon ausgehen, dass sich ein Teilchen irgendeiner verunreinigenden Substanz im Wasser befindet. Die Bildung von Bläschen an der Wand und an dem Teilchen ist dadurch möglich, dass aufgrund des Vorhandenseins einer Grenzfläche die Kernbildungsenergie dort sehr viel geringer ist als an anderen Stellen im Mineralwasser. Wie das Beispiel verdeutlicht, kann bei Nichtvorhandensein einer Grenzfläche in einem Wassertröpfchen keine Kern- oder Bläschenbildung auftreten. Aufgrund der obigen überzeugenden Darlegung muss somit angenommen werden, dass das Gas ausschließlich durch Diffusion bzw. Strömung entweicht.

C. Theoretisch nicht erklärbare Einflüsse auf die Tröpfchenentgasung

Materialübertragungsmessungen, die an fallenden Flüssigkeitströpfchen in Flüssigkeiten ausgeführt wurden, die sich nicht mit der Flüssigkeit der Tröpfchen vermischen, haben ergeben, dass der Materialtransport von den Tröpfchen zu den Flüssigkeiten sehr schnell erfolgt. Dieser Transport nimmt bei steigender Geschwindigkeit der Tröpfchen zu. Für diesen schnellen Transport gibt es keine theoretische Erklärung. Eine Erklärung für dieses Phänomen aufgrund der Stärke fester Kugeln ist unmöglich, denn die Oberflächen der Tröpfchen sind nicht starr. Der Gedanke, dass ein besserer Transport des Materials durch Strömung in den Tröpfchen erreicht wird, ist auf den ersten Blick sehr attraktiv, doch der Literatur zufolge erhöht diese Strömung die Transportgeschwindigkeit nur um 2 oder 3 Mal. Überdies ist es höchst unwahrscheinlich, dass in derart kleinen Tröpfchen Strömung auftritt.

Ein weiterer Einfluss, der die Geschwindigkeit des Materialtransports von den Tröpfchen weg erhöhen könnte, ist das Bewegen der Oberfläche des Tröpfchens durch das Medium, das um das Tröpfchen herum strömt. Dieses Bewegen tritt überwiegend an der nicht in Strömungsrichtung liegenden Seite des Tröpfchens auf, was an den dort durch das umgebende Medium gebildeten Wirbeln liegt.

Wenn jedoch der Transport im Tröpfchen den Materialtransport von den Tröpfchen weg bestimmt, kann die hohe Transportgeschwindigkeit nicht auf die Bewegung der Oberfläche des Tröpfchens zurückgeführt werden.

Es wird angenommen, dass die Schwingung der Tröpfchen entscheidenden Einfluss hat, doch dies konnte noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden.

Im Prinzip besteht kein Unterschied zwischen dem Verhalten fallender Tröpfchen in Flüssigkeiten und dem von Tröpfchen, die sich in einem Dampfraum bewegen, und daher muss aufgrund der obigen überzeugenden Darlegung geschlussfolgert werden, dass die Entgasung von Tröpfchen einem theoretisch unbekannten Einfluss unterworfen ist, von dem wir lediglich da Ergebnis beobachten können. Dieser Einfluss ist eine stärkere Entgasung bei einer höheren Geschwindigkeit der Tröpfchen im Dampfraum.

D. Einfluss der Größe der Tröpfchen

Durch Verringern der Größe der Wassertröpfchen wird eine bessere Entgasungswirkung erreicht. Um einen Eindruck vom Einfluss der Tröpfchengröße zu geben, findet sich unten stehend eine Ableitung für die Entgasungsrate von kugelförmigen Tröpfchen, wobei der Transport der Gasmoleküle ausschließlich mittels Diffusion erfolgt.

Ein Diffusionsprozess, bei dem das Konzentrationsgefälle nicht konstant ist, lässt sich durch die folgende Differenzialgleichung darstellen:

 (3)

Wobei:

C = die Konzentration der Gasmoleküle in der Entfernung r vom Mittelpunkt eines kugelförmigen Tröpfchens
t = die Zeit, in der die Entgasung der Tröpfchen erfolgt
Dv = Der Diffusionskoeffizient; es wird angenommen, dass dieser Koeffizient unabhängig von der Konzentration ist. Zum Lösen der Differenzialgleichung sind folgende Bedingungen verfügbar:
C = C1, wenn t = 0 und r/R ≤ 1
C = Co, wenn t > 0 und r/R = 1
Co = die Gaskonzentration gemäß dem Raoultschen Gesetz mit einem Aktivierungskoeffizienten von 1,0;
C1 = die Gaskonzentration vor der Entgasung;
R = der Radius des Tröpfchens.

Die Lösung der Differentialgleichung ist:

 (4)

representiert eine Funktion mit wie eine Variable.

Es ist auch möglich, C durch Cdurchschn zu ersetzen(= durchschnittliche Konzentration im Tröpfchen zur Zeit t.)

 (5)

Abb. 3. Einfluss der Tröpfchengröße auf die Entgasungsrate bei ausschließlich Diffusion (Dv = 10-9 m2/s).

Die Funktionen (4) und (5) sind bekannt. In Abbildung 3 wird das Verhältnis zwischen (Cdurchschn – Co / C1 – Co), R und t mithilfe von Daten aus der Literatur dargestellt. Dieser Abbildung zufolge steigt die Entgasungsrate des Wassers mit abnehmender Tröpfchengröße. Für einen Entgaser bedeutet das, dass die stärkste Entgasungswirkung in der Phase erreicht wird, in der sich die kleinsten Tröpfchen gebildet haben.

E. Der Einfluss der Oberflächenspannung auf das Tröpfchen

Manchmal wird auf den Einfluss der Oberflächenspannung des Tröpfchens auf die Entgasungsrate Bezug genommen, wobei dann davon ausgegangen wird, dass die Oberflächenspannung den Gastransport in den Wassertröpfchen verzögert. Die Vertreter dieser Theorie empfehlen daher, dass die Tröpfchenbildung immer wieder ermöglicht werden sollte, um eine hohe Entgasungsrate der Tröpfchen zu erreichen.

Es lässt sich schwer vorstellen, dass das Entweichen der Gasmoleküle durch die Berührungsfläche zwischen Wasser und Dampf behindert würde. Der Transport der Gasmoleküle im Wasser wird nicht beeinträchtigt, denn der geringe Druckanstieg durch die Oberflächenspannung der Tröpfchen verringert nicht die thermische Bewegung der Gasmoleküle.

Die wiederholte Neubildung von Wassertröpfchen wirkt sich aus einem anderen Grund positiv auf den Entgasungsprozess aus. Durch das Sammeln der Tröpfchen in einem Behälter und dadurch, dass sie sich immer wieder neu bilden können, wird das vor dem Sammeln vorhandene Konzentrationsgefälle in den Tröpfchen ausgeglichen. In den neuen Tröpfchen tritt die höchste Gaskonzentration an der Tröpfchenoberfläche auf, was somit eine hohe Entgasungsrate fördert.

Aus der Praxis ist bekannt, dass beispielsweise im Fall eines kaskadierten Entgasers, in dem die Tröpfchen immer wieder neu gebildet werden müssen, das Wasser nicht als Tröpfchen, sondern als Film oder Strahl gebildet wird. Die Film- oder Strahldicke steigt parallel zum Durchsatz. Infolgedessen ist die Entgasung in einem kaskadierten Entgaser weniger effektiv als bei einer regulierten Düse. Die Neubildung von Film und Strahlen hat großen Einfluss auf den Prozess im kaskadierten Entgaser. Obwohl die Wassertröpfchen im Stork Entgaser nur einmal neu gebildet werden, nämlich, wenn sie auf die Wand des Dampfabteils der Düse aufprallen, ist bei unterschiedlichen Durchsätzen eine sehr große Entgasungswirkung zu verzeichnen. Aufgrund der Größe der von der Düse gebildeten und durch das Aufprallen entstandenen Tröpfchen findet die Entgasung sehr schnell statt.

Endgültige Entgasung

Die Verweilzeit des Wassers im Dampfabteil der Düse ist in manchen Fällen zu kurz, um eine optimale Entgasung zu erreichen, und daher ist der Entgaser so ausgelegt, dass im Wasserbehälter eine Nachentgasung stattfindet. Das zurückgebliebene Gas wird ausgestoßen, indem Dampf mittels Dampfverteilungsrohren durch das Wasser geleitet wird.

Beim Blasen des Dampfes durch das Wasser besteht nach dem Raoultschen Gesetz die Tendenz, dass ein Gleichgewicht zwischen dem Gas in den Dampfbläschen und dem gelösten Gas in deren unmittelbarer Umgebung entsteht. Um dieses Gleichgewicht zu erreichen, bedarf es einer angemessenen Einwirkzeit. Dies ist der Fall, wenn die Prozessbedingungen dafür sorgen, dass die Dampfbläschen klein sind und dass sie eine große Entfernung zurücklegen müssen. Dies wird am besten mit Dampfverteilungsrohren erreicht.

Eine weitere Funktion der Dampfbläschen ist das Einleiten und Aufrechterhalten der Zirkulation im Wasserbehälter, wobei der Diffusionsweg des Gases erheblich verkürzt wird. Im Vergleich zu allen anderen Methoden der Dampfzuführung bietet die Konstruktion der Dampfverteilungsrohre den Vorteil, dass die Zirkulation im Behälter intensiver ist.

Entfernen von Kohlendioxid aus dem Wasser

Bei einem pH von unter 4 wird der Aktivitätskoeffizient des gesamten, im Wasser gelösten Kohlendioxids auf 1,0 angesetzt; bei höheren pH-Werten ist der Koeffizient kleiner. Durch die Interaktion mit dem Wasser manifestiert sich das gelöste Kohlendioxid nicht nur als CO2, sondern auch in Form von H2CO3 sowie der Ionen HCO3 und CO3 2-. Die Gleichgewichtsformeln lauten als folgt:

CO2 + H2O ↔ H2CO3                 (6)
H2CO3 ↔ H+ + HCOˉ3               (7)
HCOˉ3 ↔ H+ + CO32-                 (8)

Da die Menge des H2CO3, im Vergleich zu der Menge der Ionen vernachlässigbar klein ist, können die Gleichgewichte (6) und (7) folgendermaßen kombiniert werden:

CO2 + H2O ↔ H+ + HCOˉ3       (9)

Mithilfe der Gleichgewichtskonstanten ist es möglich, bei einer vorgegebenen Temperatur die Verhältnisse der Mengen CO2, HCOˉ3 and CO32- in Bezug auf die insgesamt gelöste Menge Kohlendioxid zu berechnen. Abbildung 9 ist eine graphische Darstellung dieser Verhältnisse bei 25oC als Funktion des Säurewerts.

Für diesen Graphen gilt die Voraussetzung, dass im Wasser keine anderen Stoffe als CO2gelöst waren. Bei Temperaturen von über 25oC verschieben sich die Kurven in Abbildung 4 ein wenig nach links.


Abb. 4. Beziehung zwischen Molverhältnis und pH.


Abb. 5. Beziehung zwischen dem Partialdruck des Kohlendioxids und Sauerstoffs im Dampf und der Menge des gelösten Kohlendioxids und Sauerstoffs im Wasser.

Während des Entgasungsprozesses wird das gelöste Kohlendioxid in Form von CO2 aus dem Wasser entfernt. Das Ion HCOˉ3 nimmt indirekt an der Bildung des CO2-Prozesses teil, denn wenn der CO2-Anteil abnimmt, wird es gemäß Gleichung (9) in CO2 umgewandelt. Wenn CO32 vorhanden ist (pH > 8,3 bei 25 °C), ist dies technisch absolut unmöglich – dies liegt daran, dass kein CO2 vorhanden ist, um das im Wasser gelöste Kohlendioxid durch teilweises Senken des Kohlendioxiddrucks in der Strömung zu vertreiben. Der pH von reinem Wasser, welches gelöstes Kohlendioxid enthält, liegt zwischen 4 und 7, abhängig von der Menge des Kohlendioxids. Für einen gesamte Kohlendioxidanteil von über 1 ppm bei 25 °C gilt folgende Annäherungsformel:

pH = 5.5 – ½ log Ctot. CO2

Ctot. CO2 = die gesamte Kohlendioxidkonzentration in ppm. Zwischen insgesamt 0,01 und 1 ppm Kohlendioxid ist der berechnete pH gemäß der Annäherungsformel 0,2 höher als der wirkliche pH.

In reinem Wasser wird das Kohlendioxid nur in Form von CO2 und HCOˉ3 ionen gelöst. Gemäß Abbildung 4 ist das Kohlendioxid überwiegend als CO2 bei einem pH = 4 und als HCOˉ3 bei einem pH = 7 vorhanden. Dies impliziert, dass je geringer die Menge des im Wasser gelösten Kohlendioxids, desto höher der HCOˉ3 Anteil in Bezug auf den des CO2. Abbildung 5 stellt das Verhältnis zwischen dem Kohlendioxid-Partialdruck im Dampf und der insgesamt gelösten Menge Kohlendioxid bei 20oC, dar und veranschaulicht, wie groß bei kleinen Mengen Kohlendioxid die Abweichung von der Gleichung Pco2-gas = h.C tot. CO2 ist. Die Abweichung lässt sich mithilfe des Aktivitätskoeffizienten des gesamten gelösten Kohlendioxids berechnen, das hier gleich CO2/tot. CO2.

Die Abweichung lässt sich mithilfe des Aktivitätskoeffizienten des gesamten gelösten Kohlendioxids berechnen, das hier gleich Zum Vergleich zeigt Abbildung 5 auch das Verhältnis zwischen der Löslichkeit und dem Gaspartialdruck für Sauerstoff. Dies veranschaulicht, wie viel schwieriger es ist, Kohlendioxid aus dem Wasser zu trennen als Sauerstoff. Um den Sauerstoffanteil in Wasser bei 20 °C auf 0.005 ppm zu senken, bedarf es eines Sauerstoff-Partialdrucks von 1,13 x 10-4 bara. Bei dem gleichen Kohlendioxiddruck ist es nur möglich, den Kohlendioxidanteil im Wasser auf 0,280 ppm zu senken. Wenn durch Hinzugeben von Säure der pH unter 4 bleibt, lässt sich ein Anteil von 0,195 ppm erreichen. Das Kohlendioxid wird dann überwiegend als CO2 gelöst.

Der gesamte Kohlendioxidanteil lässt sich mit einem Entgaser nicht auf sehr niedrige Werte senken. Druckwerte im Dampf zu erreichen ist von essenzieller Bedeutung und dies lässt sich kaum oder überhaupt nicht realisieren. Aufgrund mangelnder Daten ist es unmöglich, eine Grafik wie die in Abbildung 10 auch bei 100 °C zu erstellen, doch aufgrund der Daten im vorliegenden Artikel lässt sich vorhersagen, dass das Entfernen von Kohlendioxid bei Temperaturen von über 20 °C einfacher sein wird.

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